Am 1. September 2021 wird Dr. Aurore Maire in das Team des Institut Franco-Européen Multidisciplinaire de prise en charge de l'endométriose (IFEMENDO) aufgenommen. Als anerkannte Algologin war sie bereits an der Betreuung der Patientinnen im Rahmen der Tageskliniken beteiligt. Heute eröffnet sie eine spezielle Schmerzsprechstunde.
Guten Tag, Dr. Maire. Sie haben gerade eine spezielle Schmerzsprechstunde an der IFEM ENDO eingerichtet. Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen?
- Ich habe meine Spezialisierung auf Schmerzmedizin am Lariboisière-Krankenhaus in Paris begonnen. Ich entschied mich für diesen Weg, nachdem ich erkannt hatte, dass Schmerzen, obwohl sie einer der Hauptgründe für Arztbesuche sind, allzu oft unterbewertet werden. Im Jahr 2020 wechselte ich nach Bordeaux, wo ich meine Tätigkeit zwischen dem Zentrum für Schmerzevaluierung und -behandlung des Universitätsklinikums Pellegrin und der Schmerzsprechstunde des Krankenhauses Bagatelle aufteilte. Später koordinierte ich die Schmerzsprechstunde in Bagatelle auf Vollzeitbasis und war gleichzeitig in der Tagesklinik für Endometriose am IFEMENDO tätig. Im Jahr 2024 beschloss ich, mich voll und ganz den Patientinnen mit chronischen Beckenschmerzen zu widmen, indem ich mich dem Team des Instituts anschloss.
Welche Rolle spielt der Algologe im Behandlungspfad von Endometriose-Patientinnen?
- Der Algologe greift als Überbrückung für andere Berufsgruppen ein, wenn die Erst- oder Zweitbehandlung fehlschlägt. Seine Rolle besteht darin, spezifisches Fachwissen in die Behandlung komplexer Schmerzen einzubringen und die Patientin in ihrer Gesamtheit zu betrachten, indem er ihre physischen, psychologischen und sozialen Bedürfnisse berücksichtigt.
Müssen alle Patientinnen mit Endometriose einen Algologen aufsuchen?
- Nein. Wenn die Schmerzen durch einfache Schmerzmittel (Paracetamol, krampflösende Mittel, entzündungshemmende Medikamente) oder Hormonbehandlungen gut kontrolliert werden, ist eine Konsultation mit einem Algologen in der Regel nicht erforderlich.
Wie läuft eine spezielle Schmerzsprechstunde ab?
- Die Konsultation beginnt mit einer Zeit des Zuhörens, in der die Patientin die Geschichte ihrer Schmerzen mitteilt. Der Algologe identifiziert die Schlüsselelemente dieser Geschichte und erkundet auch mögliche Komorbiditäten oder andere chronische Schmerzen.
Es folgt eine ausführliche Befragung, die sich auf die bisherigen Behandlungsversuche, ihre Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen konzentriert. Anschließend wird eine gezielte klinische Untersuchung durchgeführt, um die Mechanismen besser zu verstehen und die Behandlung zu lenken.
Schließlich wird Zeit für die Erklärung der Schmerzmechanismen und die Erstellung eines persönlichen Behandlungsplans eingeräumt. Dieser Plan kann je nach den Erwartungen und Bedürfnissen der Patientin medikamentöse oder nicht-medikamentöse Behandlungen umfassen.
Welche Behandlungen können Sie anbieten?
Wir kombinieren oft medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungen, die sich gegenseitig ergänzen.
Medikamentöse Behandlungen :
- Krisenbehandlungen: Paracetamol, krampflösende Mittel, entzündungshemmende Mittel, Nefopam, schwache Opioide (Lamalin, Tramadol, Codein). Starke Opioide vermeiden wir aufgrund des Risikos einer Abhängigkeit und einer langfristig induzierten Hyperalgesie so weit wie möglich.
- Hintergrundbehandlungen: Einige Antiepileptika oder Antidepressiva (Amitriptylin, Duloxetin, Venlafaxin, Gabapentin, Pregabalin) können die natürlichen Mechanismen der Schmerzkontrolle verstärken. Bei neuropathischen Schmerzen können wir auch Lidocain-Pflaster verwenden.
Nicht-medikamentöse Behandlungen :
- Transkutane Neurostimulation (TENS)
- Physiotherapie (allgemein, Beckenboden, Balneotherapie)
- Osteopathie des Beckens
- Posturologie/Podologie
- Angepasste körperliche Aktivität (Yoga, Pilates)
- Hypnose
- Akupunktur
- Achtsamkeitsmeditation
- Ernährungstipps
- Psychotherapie (Unterstützung, CBT, EMDR, Sexualtherapie...)
Vielen Dank, Dr. Maire, für Ihr Engagement für die Patientinnen in unserem Zentrum und für Ihr wertvolles Fachwissen.


